Header Image
Home arrow Weihnachten oje!
Weihnachten, oje!
Auszug aus dem zweiten Buch an dem ich gerade schreibe, da gerade Weihnachten kommt möchte ich es euch nicht vorenthalten, bis ich mit dem Buch fertig bin.

Im Loch sitze ich nicht, eher in einem Brunnen Imagemit einer Leiter, ohne Licht. Wenigstens habe ich Boden unter meinen Füssen, denn tiefer geht es nicht mehr. Na wenigstens etwas Positives! Toll, dachte ich, und jetzt?
Ich bin also wieder deprimiert? Nein, nicht deprimiert, sondern am Tiefpunkt oder besser gesagt am Höhepunkt der Traurigkeit. Ich habe es satt, ständig gegen etwas anzukämpfen, das ich nicht ändern kann. Die Tatsache, dass mein Kind tot ist. Das heißt noch lange nicht, dass ich es akzeptiert habe. Ich kämpfe nur nicht mehr dagegen an, es ändern zu wollen. Die Akzeptanz kommt später- so die Therapeutin.

Damit umzugehen, wenn es weh tut, war für die Seele nicht genug. Da sich die Vergangenheit nicht ändern wird, braucht sich die Zukunft gleich gar nicht ändern. So, ich bleib jetzt mit meiner Traurigkeit hier sitzen und für die anderen kann das Leben ja weitergehen. Für mich wird sich nichts ändern.
Basta.
Ich soll mir vorstellen, ich sitze in einer Art Brunnen, habe mich bis jetzt auf den Treppen im Inneren auf und ab bewegt, und nun sitze ich am Boden.
Ohne Licht.



Meine Therapeutin meinte, es wäre ja zurzeit in Ordnung, gerade zu Weihnachten, diesen Stress hinter mir zu lassen und entspannt zu sein, nur solle ich mir bewusst machen, dass dieser Zustand auf die Dauer nicht gut für mich wäre und nach einer Zeit wieder hoch kommen solle. Das kann ich mir im Moment nicht vorstellen, da dieser Zustand recht angenehm ist. Das ist auch in Ordnung.

Ich bekam wirklich Angst und das sagte ich ihr auch, als sie mir mitteilte, dass sie sich um mich sorgen machen würde. Das wäre auch wieder nicht negativ, sondern sie wüsste, wie ich sonst bin und wie ich zur Zeit bin, und das mache ihr einfach Sorgen, aber, und das wäre wieder positiv, nun wüsste SIE, wo ich mich gerade in der Therapie befinden würde. Das wäre für uns beide ein Vorteil. Und das beruhige sie wieder.

Ich kann mich also nun beruhigt fallen lassen, eigentlich nicht, denn ich bin ja völlig entspannt und ziemlich unten, aber ich genieße diese Ruhephase meiner Seele nach all der harten Arbeit und Wut und behalte mir, zumindest für die Feiertage diesen überaus angenehmen Zustand. Es ist halt so, es geht mir schlecht. Ich bin traurig.
Und damit geht es mir gleich viel besser. Super. gell?

Ich darf nicht vergessen, ich habe ein Kind verloren, das noch gar nicht so lange her ist, es sind die zweiten Weihnachten ohne ihn. Das tut nun mal weh, also gehe ich jetzt paniklos damit um, dass ich mir zu gegebenen Anlass die Taschenlampe in meinem Brunnen aufdrehen werde, damit ich wieder etwas sehe.

Jeder der mich kennt weiß, wie es seit Jahren bei mir zu Hause aussieht, wenn sich irgendein Ereignis zuwendet. Sei es Ostern, ein Geburtstag oder wie jetzt Weihnachten.
„Doch jetzt“ erklärte ich „ist es mir sogar egal, ob am Adventkranz bereits die 3. Kerze brennt. Ich feiere Weihnachten für Marcel, nicht für Jesus oder sonst wen. Denn wie kann ich eine Geburt eines anderen Kindes feiern, wenn mein eigenes gestorben ist?
Wo war Jesus oder Gott, als ich ihn brauchte? Ich habe ihm vollkommen vertraut!
Genau in dieser Phase bin ich, wofür soll ich schmücken, wenn es nichts zu feiern gibt.

Letztes Jahr war das noch etwas anders als jetzt, da bin ich sozusagen mit geschwommen mit der Menge. Es ist Weihnachten, man freut sich für die Kinder,... aber diesmal ist es anders.
Am 23. 12. werde ich zu Michael ans Grab fahren und ihm sagen, wie schade es ist, dass er nicht da ist und Weihnachten erlebt.
Am 24.12. werde ich Marcel sagen, dass ich froh bin, ihn als Sohn zu haben und ihn ganz viel lieb habe, und mich daran freuen, wenn er mit leuchtenden Augen seine Geschenke aufmacht.

Man kann von mir nicht erwarten, dass ich meinem Kind vormache, dass wir die Geburt von Jesus Christus feiern, wenn ich das nicht tue. Er weiß das, aus all den Jahren zuvor und er feiert das auch in der Schule. Ich mache das nicht.
Wir werden vielleicht am heiligen Abend essen, spielen und Lego bauen. Dafür werden mein Körper und meine Seele schon funktionieren, mehr aber auch schon nicht.
Glaub nicht.