Gespräch mit Michaels Oma (meiner Mutter)
Sie versuchte mir zu erklären, dass es einigen Menschen damals nicht ausschließlich um das tote Kind ginge, sondern so wie sie, hatten sicher einige diese gewisse Angst um mich. Das solle ich nicht vergessen.
Ich bot ihr an, einen Bericht für die Homepage zu schreiben, wie SIE dieses Erlebnis eigentlich erlebt und gesehen hatte. Denn ich konnte mir (erst jetzt nach so langer Zeit) gut vorstellen, was sie meinte. DIE haben das Kind nicht verloren, aber es bestand die Möglichkeit MICH zu verlieren. Was das für einen Vater oder die Mutter bedeutet, kann ich nur allzu gut nachvollziehen.
Sie dachte nicht nur an mich, sie dachte (was mir gar nicht in den Sinn kam) an Marcel. Was, wenn ich diesen Schmerz nicht aushalten würde und mich umbringen würde. Was würde Marcel erwarten, was müsste er aushalten? Welche Rolle müsste meine Mutter einnehmen? Ich habe gar nicht daran gedacht, aber es ist interessant, was in den Menschen in deiner Umgebung vorgeht, und daher durchmachen. Das sieht man in seiner Schmerzphase nicht.
Wir sprachen auch darüber, wie wichtig es damals, natürlich auch noch heute, für mich war, bereits Marcel gehabt zu haben. Meine Gedanken waren ja auch damals: Es muss weitergehen. Ich bin bereits Mutter. Meine Familie braucht mich. Ich muss wieder gesund werden und voll da sein können. (Wobei ich gesund nicht wegen der Schwangerschaft meine, sondern nach der Operation, zu Kräften zu kommen).
Wie eine Mutter halt so ist, gab sie mir den Rat nicht gar so streng mit den Leuten zu sein und zu urteilen, denn ich sah ja nur aus meiner Perspektive das Geschehene.
Ich muss zugeben, sie hat (teilweise) Recht.
Wenn Sie auch eine betroffene Omi sind oder ein anderer Betroffener und Ihre Erfahrungen mitteilen möchten, dann tragen Sie sich entweder ins Gästebuch oder nehmen mit mir Kontakt auf.
Woher sollen wir wissen was ihr denkt, wenn es, aus Rücksicht auf uns, nicht ausgesprochen wird?
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