Von einer ganz lieben Oma, die mir geschrieben hat und ihre Sicht erzählen möchte:
Ich habe ja schon ein Enkelkind verloren, bevor es geboren wurde, sie starb
noch im Bauch der Mutter, Louisa!!!
Ihre Zwillingsschwester Lena wurde viel zu früh geboren und ist schwerstbehindert, so wie blind. Da blieb erst mal keine Zeit für die Trauer um Louisa.
Mein Mann und ich machten uns auch unheimlich Sorgen um unseren Sohn und seine Frau. Da steht die Trauer um Louise manches Mal im Hintergrund.
Werden sie es schaffen?
Ist die Aufgabe zu groß für die beiden? Was können wir tun? Wie wird es in Zukunft werden?
Hält die Ehe das von den beiden aus? Sie sind doch erst beide 22 Jahre alt. Wie wird ihr Leben werden? Wann würden sie zusammenbrechen? Die finanzielle Situation wurde immer grauenvoller. Mein Sohn musste seine Selbständigkeit aufgeben. Es war doch Ihre Existenz und man sieht als Oma wie alles den Bach runter geht und kann nicht helfen. Man sieht die Qualen der Eltern und ist so machtlos. Man will helfen und ist selber so voll mit Trauer. Wie verarbeitet es die Mutter? Sie war noch nie am Grab, man will sie nicht zwingen, weiß aber, dass es für so wichtig wäre. Man schafft es mit ihr nach 11 Monaten zum Friedhof zu gehen...... Sie ist so verzweifelt...... Trauert das erste Mal um ihr Kind. Selber hat man alle anderen Gedanken im Kopf.
Wird Sie es aushalten? Oder bricht sie zusammen? Was mach ich dann. Hilfe von Ihren Eltern kann sie nicht erwarten. Sie ist doch meine Schwiegertochter und die Mutter meiner Enkelkinder.
Wie kann ich ihr beistehen? Fragen über Fragen und man findet keine Lösung. Man ist verzweifelt, denkt weiter als die Mutter. Unser Sohn, wird er es allein schaffen? Was wird dann aus Lena? Sorgen um die Mutter, Angst vor dem, was noch kommt. Und immer ich, als Oma die alles regelt, weil es die Mutter nicht mehr kann.
Ich kümmere mich um die Mutter versuche zu trösten, wo es keinen Trost mehr gibt. Sie will nur um ihr Kind trauern, endlich will und kann sie trauern. Und ich kann auch nicht mehr, muss aber in der Zeit für alle da sein, sonst würde nichts mehr laufen.
Die Sorgen werden bleiben, aber ich weiß nun auch, dass wir eine tolle Familie sind und einfach nur zusammenhalten müssen.
Omas denken anders als Mütter, haben aber nicht immer Recht, sehen Sachen, an die die Mama noch gar nicht zu denken wagt. Aber so ist es richtig, denn würde eine Mama, die ein Kinder verloren hat und noch ein schwer krankes zu Hause hat, all das wissen was ich mir denke, würde sie es nicht aushalten. Es würde zu wehtun.
Omas sollten einfach nur das sein, wenn sie gebraucht werden. Und versuchen so viel wie möglich an Papierkram zu erledigen. Und es gibt jede Menge. Eltern sollten Zeit haben zu trauern und für Ihre Kinder die sie auf dem Arm haben, da sein.
Denn, das Schicksal wollte es anders, als die Eltern es sich wünschten, doch dem sollte man sich entgegenstellen mit vereinten Kräften. Und den Eltern den Rücken freihalten für alles was noch auf sie zukommen wird. Großeltern sollten sich auch den lebenden Enkelkindern zuwenden und den Eltern damit Freiräume schaffen um auch als Paar noch Zeit zu haben um das erlebte gemeinsam zu verarbeiten. Es ist sehr schwer, denn auch Omas und Opas trauern um Ihre Enkelkinder, doch wir müssen oder sollten für unsere Kinder in dieser schwierigen Zeit da sein, denn wir haben unsere Kinder noch und uns um sie kümmern, damit sie Zeit haben sich um ihre Kinder zu kümmern und um ihre Sternenkinder zu trauern, auch oder gerade weil sie anders trauern als wir Großeltern.
Aber ich denke auch, dass wir durch unsere Sternenenkelkinder sehr viel lernen können, was im Leben wirklich wichtig ist. Und sie uns eine andere Welt zeigen, die wir so nie kennen gelernt hätten. Ich bin dankbar ein Enkelkind zu haben, wir nehmen Lena so wie sie ist und lieben sie. Ich bin aber auch froh Louisa, wenn auch nur auf einem Foto kennen gelernt zu haben, denn sie hat unser aller Leben ganz massiv bereichert.
Iris Z. eine Oma mit Louisa ganz tief und unvergessen im Herzen und Lena wann immer es geht auf dem Arm.
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